Versammlung mit dem Aeltestenrat
JRS zusammen mit IOM und LWF bei den vertriebenen Turkana im IDP Camp
Mitte November haben wir uns mit dem Aeltestenrat der Turkana Vertriebenen getroffen. Diese Initiative war Teil eines dreitaegigen Treffens von Vertretern aller NGOs, um Gegebenheiten von Ausbeutung und Missbrauch der Host Community, d.h. der Turkana zu untersuchen. Es gibt die einheimischen und die vertriebenen Turkana. Letztere waren in anderen Gebieten Kenyas ansaessig, wurden vor einigen Jahren dort mit brutaler Gewalt verfolgt, so dass einige wieder in ihr Herkunftsgebiet zurueckgekehrt sind. Ohne Hab und Gut sind sie bei den einheimischen Turkana nicht willkommen, werden angefeindet, obwohl ihrem Stamm angehoerig. Sie sind die sogenannten IDPs, die internal displaced people.
In Vertretung von JRS bin ich mit Angela von IOM International Organisation for Migration und Benson von LWF Lutheran World Federation ausgerueckt, um die Vertreter der Turkana Vertriebenen im IDP Camp zu treffen. Sie leben in einem trostlosen Gebiet etwa 12 km ausserhalb von Kakuma, auf kargem Boden uebersaet mit Steinen und wenig Vegetation. Es sind etwa 200 Familien, die keinerlei Einkuenfte haben, keine Ausbildung, keine Schule, kein Wasser, keine Nahrung.
Die IDP Turkana sind vollkommen abhaengig von der internationalen Gemeinschaft, der Kirche, den Missionshaeusern der Franziskanerinnen und anderen Ordensschwestern, die regelmaessig Grundnahrungsmittel verteilen, Kleidung, Decken, Kochgeschirr. Im Camp gibt es keine Wasserquelle, die naechste Stelle ist 2 Stunden entfernt. Die Kinder und Frauen muessen mit den Plastikbehaeltern auf Schubkarren weite Wege gehen. Die Missionsschule ist mehr als 3,5 Stunden entfernt, die Kinder machen sich um 4 Uhr nachts bereits auf den Weg.
Wir haben diese Lebensbedingungen, Beschwerden und einige Vorschlaege in Form eines Interviews aufgezeichnet und in unseren Bericht aufgenommen. Die internationale Gemeinschaft vertreten durch UNHCR wird mit den Regierungsvertretern Loesungen ausarbeiten und organisieren. Tatsache ist, dass die vertriebenen Turkana hier die 'Aermsten der Armen ' sind und ihr Ueberleben vollkommen von oeffentlichen Zuwendungen abhaengig ist. So habe ich hier die meisten Kinder mit schweren gesundheitlichen Schaeden infolge von Unterernaehrung vorgefunden.
Sonntags bin ich mit Sr Margaret vom JRS Team nochmals zu den IDPs gefahren, um dort nach Tomas und Eric zu suchen, zwei Kinder ohne Eltern, die sich vor Wochen waehrend der Messe zu uns gesetzt hatten . Der ueble Geruch ihrer total infekten, tief einschneidenden Bein- und Fussverletzungen hat uns veranlasst, die beiden zur Behandlung direkt ins Missionhospital zu bringen. Als wir dann im Camp nach ihren Familien suchten, haben wir erfahren, dass sie keine Eltern haben und von Nachbarn 'versorgt' werden. Waehrend Tomas heute langsam auf dem Weg der Besserung ist, macht die Genesung von Eric keine Fortschritte, da er absolut unterernaehrt ist und der Infekt sich auf die Organe ausgebreitet hat. Die Nachbarin hat uns gesagt, dass er wohl bald seinen Eltern und Geschwistern folgen wird, die alle in aeusserster Armut verstorben sind.
Unter FOTOS findet ihr weitere Einblicke in die Welt der IDP im Turkana Camp von Kakuma, so wie ich sie bei meinen Besuchen dort wahrnehmen konnte.
Ich danke Euch von Herzen, dass Ihr an meinen Erfahrungen teilnehmt und die hiesige Wirklichkeit mit Wohlwollen in Geist und Herz aufnehmt.
Euch allen eine friedvolle Adventszeit.
Friederike